Gefüllter Tintenfisch

Friday, July 18th, 2008

Gefüllter Pulpo totalUrlaub im Süden auf dem Teller ist für mich immer und immer wieder: Gefüllter Tintenfisch. So leid es mir als begeistertem Warmwasser-Asien-und-Badewannen-Taucher auch tut, ich liebe Fisch. Gebraten. Gekocht. Gedünstet. Gegrillt. Roh auch als Sushi. Sorry fishies. Bei meinem ersten Griechenland-Urlaub auf irgendeiner der Kykladen-Inseln habe ich das erste Mal gesehen, dass Fischer stundenlang am Kai standen und gefangenen Pulpo immer und immer wieder gegen die Kaimauer geklopft haben (er war schon tot!). Damals habe ich mich gefragt, warum um Himmels Willen machen die das - haben die keine Katze? Sorry cats. Sie machen es angeblich deshalb, weil beständiges Klopfen und Schlagen das Fleisch recht zart werden lässt. Kann was dran sein, muss aber nicht. Vielleicht ist es auch nur einer der zahlreichen griechischen Mythen, davon gibts ja genug. Na jedenfalls mag meine Freundin Marie gefüllten Pulpo genau so gern wie ich, très bien habe ich mir gedacht: Machste eben mal welchen. Wir waren zu viert, also kaufe ich beim Fischhändler 4 Tintenfischlein, natürlich nicht ausgenommen, nicht küchenfertig, sondern so, wie der Gott des Meeres oder wer auch immer sie geschaffen hat. Mit allem drum und dran. Da fängts schon mal an…Mahlzeit! Ich möchte es mal so sagen: Man braucht nicht unbedingt mikrochirurgische Kenntnisse aber man sollte schon eine gewisse sensitive und ästhetische Geschmacksgrenze überwinden können, um diese Viecher auszunehmen. Die Aussicht auf ein köstliches Essen lässt mich nicht zögern. Zack, zack, Tentakeln ab, Tintensack und sogenanntes Fischbein raus und die vier Tuben gründlich(!) gespült. Hände danach auch. Die beschnittenen und ausgenommenen Tintenfische kräftig salzen und pfeffern und in einer Pfanne mit heißem Olivenöl rundherum anbraten.

Pulpo nahDadurch bekommt das Fleisch eine andere Konsistenz, ist natürlich nicht mehr so glibberig und formlos, sondern wird fest und nimmt diese runde Form an, wodurch sich die Pulpos dann viel einfacher füllen lassen. Allerdings verkleinert sich durch das Braten das zu füllende Innere, man benötigt also nicht so viel Füllmasse, als wenn man die Tüten in rohem Zustand füllen würde. Dann ist es außerdem auch schwieriger, weil die Dinger immer wieder quasi aus der Hand flutschen und über den Tisch flippern. Brrrrrr…….OK, also, Pulpos gebraten und beiseite gelegt. Nun zur Füllung. Da ich das so aus der Inspiration heraus gemacht habe, bin ich nicht sicher, ob folgende Aufzählung identisch mit der abgebildeten Füllung ist - aber nahezu! Also, ein Brötchen vom Vortag in Milch einweichen, die Tentakeln der Tintenfische in kleine Stücke schneiden.

 Pulpo nah

Das eingeweichte Brötchen leicht ausdrücken und zerpflückt in eine Schüssel geben. Die Tentakelteilchen dazu, geschnittes Basilikum (auch Koriander ist weltklasse), etwas kleingehacktes, frisches Rosmarin, ein Ei, Salz, Pfeffer und alles miteinander vermischen. Mit einem Teelöffel die Mischung in die Pulpotüten geben und mit Zahnstochern fest verschließen, so gut es geht, denn sonst tritt die Füllung beim Backen aus und man hat statt gefüllten Pulpos gefüllten Bräter. Wäre ja doch zu blöd. Die nun gefüllten Burschen bei 180 Grad und Ober- und Unterhitze im Backofen etwa 40 bis 50 Minuten braten, bis sie schön rotbraun goldig gegart sind. (Statt der fröhlich frischen grauen Farbe aus der Fischtheke haben die Tintenfische mit dem Braten bereits einen roten Farbton angenommen.) Entweder man entscheidet sich nach dem Herausnehmen, die gefüllten Pulpos als Vorspeise in Scheiben zu schneiden und so zu servieren oder aber jeder bekommt einen zum selber schneiden und dazu einen frischen Salat mit gaaaaanz viel Zitrone und etwas frischem Baguette. Lecker. Sorry fishies.

3 Comments   -
  • Comment by Bolliskitchen | July 18, 2008 @ 10:23 am

    Nicht nur in Griechenland macht man das, auch in Italien und Frankreich, allerdings nicht mit den Tintenfischen, die Du gefüllt hast, sondern man ‘klopft’ den Octopus, Pulpo etc., denn sonst ist er entsetzlich zäh, man kann ihn aber auch ganz frisch einmal einfrieren, dann erzielt man das gleiche Ergebnis.

  • Comment by marie | July 19, 2008 @ 11:46 pm

    Und die Freundin Marie dankt auch nochmal artigst für die äusserst sinnige und leckere Speisenfolge von zunächst Klopfern und dann Geklopften. Sind zurück aus dem Burgund und haben gerade lecker Fischstäbchen gebraten! Rezept by Käptn Iglo, muss ja auch mal sein nach soviel französischer Finesse…

  • Comment by Hedi | December 3, 2009 @ 12:34 pm

    Nur dass Dein Tintenfisch kein Pulpo ist, sondern eine Seppia.

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