Lachs vom Fischmarkt
Wenn man neu in einer Stadt ist, muss man natürlich auch ein gewisses Touri-Programm absolvieren, zum Einen, um selbst einen Überblick zu bekommen, was schön und gut ist und zum Anderen, um allen Besuchern aus der Ferne zeigen zu können, in welcher tollen Stadt man nun lebt. So halte ich es auch hier in Hamburg. Und habe dieses Wochenende mal wieder die Erfahrung gemacht, Touri-Programme können auch echt gut sein! Da wäre zum Beispiel der Hamburger Fischmarkt, so genannt, weil hier am Elbufer seit dem 17. Jahrhundert mit Fisch und Gemüse gehandelt wurde, gleich neben den Backsteinspeichern, in denen der Fisch angelandet und aufbewahrt wurde. Da bin ich heute morgen hingetigert. Bei Regen oder sagen wir mal bei typischem Hamburger Frühlingswetter. Kommt man aus Richtung Landungsbrücken auf den Markt fragt man sich: Wo ist der Fisch? Blumen, Kaffeestände, nichtsnutziger Handwerkskram, norddeutsche Souvenirs, würg, aber kein Fisch weit und breit - man muss sich erst durch tausende - kein Scherz - Regenschirme kämpfen. Zum Glück werden die meisten Menschen ja mit zwei Augen geboren, da kann man auf dem Fischmarkt im Regenschirmkampf schon mal eines verlieren. Ich habe mal eine Übersicht eingefügt, wie der Fischmarkt heute morgen so aussah, von oben betrachtet.
Und wenn man sich erstmal ins Gewühl begeben hat und überall die “nur 5 Euro”, “Nur 10 Euro” “und “noch ein Kilo drauf”-Rufe hört, kann man sich irgendwann des Shopping-Wahns nicht mehr entziehen. Meine Mutter hat bei Obst (”Korb für 10 Euro und noch 10 Kilo kernlose Trauben obendrauf für die Dame”), 4 Kilo Scholle für 10 Euro und diversem anderen Fisch zugeschlagen, ich habe mich dann zu einem wahren Karwenzmann von Lachs hinreißen lassen. Ungelogen, der Fisch mist 50 Zentimeter und war der Kleinste seiner Sorte an dem Stand, an dem ich gekauft habe. Gut, jetzt kann man sich schon die Frage stellen, was will man als Alleinwohnender mit einem Lachs, der gut und gerne 5 Kilo wiegt. Muss man halt kreativ beantworten und mal seine netten Nachbarn einladen. Den Fisch unter kaltem Wasser gründlich innen und außen abspülen und das rosa Fleisch innen salzen und mit grobem Pfeffer würzen und etwas Olivenöl einträufeln und einige dünn geschnittene Scheiben Knoblauch dazulegen. Da ich keine frischen Kräuter habe, bleibts dabei. Zum Glück habe ich vom Markt noch Zitronen mitgebracht. Die werden dann über das gare Fischfleisch gedrückt. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und den Fisch, der komplett in Alu-Folie gewickelt ist, hineinschieben.
Nach einer halben Stunde - ich dachte, der Lachs sei schon gar, habe ich eine Probe genommen, und siehe da - der Fisch war noch in weiten Teilen roh. Für normale Garzeiten war das Tier nicht geschaffen. Da wir aber Hunger hatten, haben wir die Alufolie geöffnet, die silberne Haut des Fisches eingeschnitten (auch zum Prüfen, ob das Fleisch gar ist) ein großes Stück Butter auf den Schnitt gegeben und beim Herd die Grillfunktion eingeschaltet - zack nochmal eine Viertelstunde im Ofen und das Fischlein war fertig. Ein Wort nur: Hammer! Das Fleisch lässt sich ganz leicht ablösen - der Fisch war ja auch frischer Fang, ich hatte beim Kauf extra darauf geachtet, dass die Augen ganz klar und ohne jegliche Eintrübung waren. Dazu gabs im Ofen gebackene Rosmarin-Kartoffeln und ein kleines Gemüse mit Lauch, Möhren und Pastinaken.
Und das war das lustige Trio, bei dem ich den Fisch gekauft hatte. Auf den Fischmarkt gehe ich wieder, ganz bestimmt. Und nächstes mal hole ich mir einen anderen Fisch. Mal sehen.