Zitronen Hühnchen
Manchmal gibt es Gerichte oder einen Geschmack, da möchte man anfangen, neue Wörter zu kreieren, anfangen, sich eine neue Geschmackssprache auszudenken. So ging es mir bei diesem Huhn, dass wir- grob gesagt - mit Zitronen gefüllt haben und im Backofen gar werden ließen. Auch in Frankreich und weils in Frankreich besondere Hühner gibt, haben wir sie natürlich auch gegessen - Bresse-Hühner. Diese Vögel lassen das Pendel bei chicken or pasta eindeutig Richtung chicken ausschlagen. Mon dieu!
Bevor ich weiter erzähle, will ich schnell noch die 10tägige Blog-Pause entschuldigen. Ich war auf Dreh in Thüringen. Reportage für den MDR mit dem ehemaligen Top-Biathleten Sven Fischer, da blieb nicht viel Zeit zum Schreiben. Aber abgesehen davon, dass der ganze Dreh ein Grund mehr war, zu sagen: Dafür liebe ich diesen Job, habe ich in Schmalkalden in unserem Hotelrestaurant auch das eine oder andere gegessen, was sicherlich den Eingang ins Blog finden wird. Ich koche es nach, zum Beispiel: Schweinerollbraten mit Backobst gefüllt. Be prepared!
Zurück zum chicken oder Bresse-Huhn. Huhn ist nicht gleich Huhn und schon gar nicht in Frankreich. Denn das Bresse-Huhn, so habe ich gelernt, trägt sogar eine geschützte Herkunfts-Bezeichnung, wie sie zum Beispiel Weine tragen. Das Besondere an Madame la Bresse (sorry, ich spreche gar nicht französisch….ich weiß, das ist nicht besonders toll) ist, dass sie wohl zu Lebzeiten mindestens 10 Quadratmeter Wiese für sich allein hatte und in der recht eng eingegrenzten Region vom französischen Jura bis ins Burgund gelebt hat. Dabei kommt das stolze Huhn in den französischen Nationalfarben daher, blaue Füße, weißes Gefieder und roter Kamm. Muss ich jetzt dem Lexikon so glauben, denn meine Hühner hatten auf dem Markt von Autun bereits Füße, Kamm und auch Gefieder verloren. Aber immerhin trugen sie noch die Herkunftsetikette, natürlich auch in den Nationalfarben gehalten.
Ich finde es ja hochgradig spannend, durch Essen zu lernen. Deshalb schulmeistere ich hier mal weiter, was das Bresse-Huhn anbelangt. Die Tiere werden - so habe ich gelesen - meist auf Bauernhöfen, die sich der Milchwirtschaft verschrieben haben, gemästet - und zwar mit in Milch eingeweichtem Mais. Muss man erst mal drauf kommen! Nachdem le poulet (verlangt poulet wirklich ein le oder eher ein la?, Französisch-Kenner bitte Meining abgeben!, aber meines Erachtens ist la weiblich und das poulet männlich….Nul n’est censé ignorer la loi…). nach 9 Wochen Freiheit auf saftigen Wiesen wieder zurück in den Stall muss, um in Käfigen weitergemästet zu werden, mit bestem Futter natürlich nur, dürfen andere länger draußen bleiben. Fräulein poularde und der kastrierte Herr Kapaun grasen 11 bzw. sogar 23 Wochen in der Wildnis, bis sie der Schlachtbank auch nur nahe kommen. In Frankreich gibt es, so lese ich, sogar Wettbewerbe um das schönste Bresse-Huhn, das bis zu 300 Euro (Hallo!!! jemand den Schuss gehört, ein Huhn ist ein Huhn ist ein Huhn!!!!) kosten kann. Gut, ich meine, wer Sarkozy zum Präsidenten wählt, darf auch schon mal für ein ebenso aufgeplustertes Geschöpf viel Geld hinblättern. Das nennt man vivre comme un coq en patê. Seit mehr als 140 Jahren werden sogar besonders schöne Hühner prämiert und zwar kurz vor Weihnachten und dann gehts trotzdem ab in den Bräter. Meine Güte, mittlerweile denke ich, was hast du da gegessen? Hätte ich all das gewusst, ich schwörs, ich hätte mit mehr Bedacht, langsamer und noch mehr Genuss gegessen. Aber vielleicht ist es auch ganz gut so, dass ich vor dem gebratenen chicken nicht so viel Ehrfurcht hatte, sonst wärs mir am Ende noch im Hals stecken geblieben, und das will ja nun wirklich keiner. (Dazu erwarte ich keine Kommentare, auch nicht von Kollegen!) (weiter…)